Mittwoch, 30. Januar 2008

Hält mich da jemand fest?


Nach mehreren Wochen Askese in Sachen Tempotraining habe ich gestern mal wieder den schnelleren Walk im Selbstversuch getestet. Auf den ersten Kilometern hatte ich eher so das Gefühl, dass mich jemand festhält, die Gelenke ein wenig ungelenk sind und die Muskeln sich erst wieder an den zwischenzeitlich etwas fremdartigen Bewegungsablauf gewöhnen müssen. So war auf den ersten beiden Kilometern ein knapper 8er Schnitt das höchste der Gefühle. Nach gut 5 Kilometern funktionierte alles schon wieder ein bisschen flüssiger, die Muskeln waren warm und offenbar erinnerte sich mein Körper langsam aber sicher auch wieder an die ökonomischste Schrittfrequenz und Schrittlänge. Auf den letzten beiden der insgesamt 13 Kilometer lag der Schnitt bereits wieder bei knapp 6:45 min/km; der Durchschnitt über die gesamte Distanz reduzierte sich hierdurch auf 7:20 min/km. Insgesamt bin ich mit meinem ersten Tempotraining des Jahres recht zufrieden. Für's nächste Mal nehme ich mir vor, nach dem Training noch ein Lächeln für das Foto hinzubekommen. ;-)

Montag, 28. Januar 2008

Vous etes perdu? 27.01.2008

Nebel liegt über der Stadt, als wir unsere Sonntagswanderung beginnen.


Vierzig Kilometer sollen es werden. Dieses Mal geht es gen Norden. Sowohl Hin- als auch Rückweg wollen wir in Wassernähe zurücklegen, anfangs an der Garonne und zum Schluss am Canal Lateral. Das rechte Ufer der Garonne kennen wir schon - ist bei Wechselwetter ne ziemliche Matschstrecke, auf die sich kaum jemand verirrt. So versuchen wir das linke Ufer. Der Weg nach Blagnac ist bekannt - schließlich haben wir hier bereits mehrfach Flughafen und Einkaufszentrum per pedes aufgesucht. Wir sehen blühende Bäume am Wegesrand und auch der Nebel verzieht sich langsam.



Zu unserem Entzücken führt ein fester Trampelpfad eine ganze Weile an der Garonne vorbei. Scheint kein echter Geheimtipp zu sein, denn alle Nase lang kommen uns freundlich grüßende Läufer entgegen.


Die Zeit vergeht wie im Flug und schnell erreichen wir weitere kleine Orte. Die Strecke wird ein bisschen hügelig und die Straßennamen erinnern stark an die Tätigkeit, die wir gerade ausüben.


Nach Erklimmen eines Hügels und 18 zurückgelegten Kilometern ist es erst einmal Zeit für eine kleine Pause.

So idyllisch der Ausblick vom Hügel runter auf die Garonne auch sein mag - mit Uferpromenade ist es jetzt erst einmal vorbei. Wir prüfen die Option, über die Hauptstraße nach Grenade weiter zu wandern, entscheiden uns aber angesichts des Verkehrsaufkommens gegen diese Möglichkeit. Irgendwie muss es ja schließlich auch neben der Straße einen parallel führenden Feldweg geben. So stapfen wir todesmutig durch die Felder und erreichen schließlich einen einsam gelegenen Bauernhof. Glücklicherweise gibt es dort keine unangeleinten Hunde, sondern nur einen hilfsbereiten Einheimischen, der uns mit den Worten "Vous etes perdu?" begrüßt, was frei übersetzt so viel heißt wie "Wann lernt ihr dummen Touris eigentlich, ne Landkarte mitzunehmen?" Ich formuliere in perfektem akzentfreien Französisch unser Begehr, eine wanderbare Strecke nach Grenade zu finden - offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Er vergisst, dass er Franzose ist und eigentlich gar nicht Englisch können dürfte und erklärt uns in akzentfreiem Schulenglisch, dass das doch ne völlig üble Idee sei, dieseits der Garonne nach Grenade zu wandern - da gäbe es nur die Hauptstraße und die sei nur für ganz Vergnügungssüchtige. Am anderen Ufer allerdings gäbe es einen ganz tollen Fußweg. Er erklärt uns alles ganz genau und schickt uns mit den besten Wünschen wieder auf die Reise.



Wir finden schnell die Brücke über die Garonne, beschließen aber, dass eine Wanderung nach Grenade heute doch den Rahmen sprengen würde. Schließlich sollten es 40 und nicht 60 Kilometer werden. So machen wir noch eine kleine Rast und frisch gestärkt wandern wir am Canal Lateral im Lichte der untergehenden Sonne gen Heimat.



Die letzten Kilometer an der Hauptverkehrsstraße sind nicht ganz so idyllisch, aber ansonsten haben wir eine wunderschöne knapp 40 Kilometer lange Wanderung hinter uns. Jetzt haben unsere Füße eine Woche Zeit, sich zu erholen und dann geht's weiter. Schließlich wollen wir in Dänemark und beim Viertagesmarsch gut trainiert an den Start gehen...

Die Fotos findet ihr hier.


Bis bald
EDDI und Georg

Dienstag, 15. Januar 2008

On the road again - 12.-15.01.2008

Alljährlich zum Jahreswechsel stellt sich die altbekannte Frage, welche guten Vorsätze es in den nächsten Monaten umzusetzen gilt. Rauchen aufgeben entfällt seit geraumer Zeit, Gewicht reduzieren wäre mal wieder nötig, macht aber keinen Spaß - bleibt also die Wiederaufnahme eines intensiven Walk- und Wanderprogramms. Damit uns die Umsetzung dieser guten Idee nicht allzu schwer fiel, hatte die für Südfrankreich zuständige Abteilung von Petrus ein Einsehen und ließ Samstag und Sonntag die Sonne für Eddi und mich scheinen.

Am späten Samstagvormittag starteten wir unsere erste Tour. Es war geplant, am Ostufer der Garonne zu wandern bis zur Höhe von Portet, dort die Garonne zu überqueren und mir bei Decathlon ein hübsches wind- und wettertaugliches Jäckchen zu kaufen, damit ich nicht immer Eddi beklauen muss. Ein laues Lüftchen begleitete uns und wir kamen zügig voran. Nach gut 5 Kilometern hatten wir die Wahl, ob wir an der minder attraktiven aber kürzeren Hauptstraße entlang wandern oder einen Schlenker über einen Hügel machen wollten. Wir entschieden uns für die zweite Variante. Damit wir uns gleich richtig wohl fühlen, begrüßte uns am Beginn der ersten Seitenstraße ein Schild mit der Aufschrift 25% Steigung. Der Schock dauerte nur kurz, denn schließlich waren wir ja nicht zum Vergnügen hier, sondern zu Trainingszwecken.



Oben angekommen, wussten wir, dass wir uns richtig entschieden hatten. Vom Hügel aus hatten wir einen guten Panoramablick auf Toulouse und auch für meine Flickr-Gruppe Romantik-Fotos gab es jede Menge Material.




Nachdem wir eine alte Kirche besichtigt und uns in einem kleinen Supermarkt mit einer noch kleineren Packung Plätzchen gestärkt hatten, ging es weiter in Richtung Tal - zumindest dachten wir das. Tatsächlich lernten wir in der Folgezeit sämtliche Neubaugebiete der Gegend kennen, die alle eines gemeinsam hatten: eine Sackgasse, die fast bis ins Tal führt - aber eben nur fast.

So legten wir eine ganze Menge Meter zurück, ohne so richtig weiterzukommen. Damit wir auch schön wachsam bleiben, erwartete uns am Ende der letzten Sackgasse ein Landsmann von uns, leider mit 4 Beinen, groß, braun und ohne Leine. Dies versüßte uns die Aussicht, wieder auf Hauptstraßen wandern zu dürfen. Der Marsch entlang der Hauptstraße war nicht wirklich schön. Anfangs gab es noch einen Bürgersteig, der langsam zum Trampelpfad wurde und schließlich komplett verschwand. So mussten wir auf der Fahrbahn südfranzösischen Kamikazefahrern trotzen, die uns dank der engen Kurvenführung erst Millisekunden vor dem potentiellen Aufprall wahrnehmen konnten. Zu allem Überfluss stellte sich heraus, dass ich zwar unterstellt hatte, dass in Höhe des Einkaufszentrums von Portet eine Brücke über die Garonne führt, dies aber nicht mittels Blicks auf eine Landkarte erhärtet hatte. Ich werde nie den mitleidigen Blick des Autofahrers vergessen, den wir schließlich nach der nächsten Garonne-Querung fragten...

Da die Sonne zusehends in die Garonne eintauchte, beschlossen wir, doch nicht bis zur nächsten Brücke zu gehen, sondern mit leichten Modifikationen den gleichen Weg zurück. Zur Meidung der Hauptstraße erklommen wir den nächsten Hügel nach Vieille Toulouse und konnten weitere malerische Häuser, die so überhaupt nicht vieille waren, im Licht der untergehenden Sonne erspähen. Ein Stückchen Hauptstraße durfte es dann doch noch sein, da es an dieser Stelle so überhaupt keine Ausweichmöglichkeit gab. Schließlich fanden wir zurück auf die Uferpromenade an der Garonne. Die Aussicht auf eine warme Mahlzeit und ein ebensolches Zimmer ließ uns zart aufkeimende Zipperlein im Nu vergessen.

Direkt nach unserer Rückkehr nutzten wir sofort Eddis neuen Internetanschluss, um mit Gmap herauszufinden, welche Strecke wir absolviert hatten. Wir kamen auf ungefähr 30 Kilometer und beschlossen, dass wir am Sonntag maximal eine kleine Runde um den Block drehen würden.

Sonntag gab es das Kontrastprogramm. Dieses Mal wanderten wir westlich der Garonne in Richtung Süden. Auf der Karte hatten wir uns einen hübschen Weg ausgesucht, den wir noch nie vorher gewandert waren. Was aus der Karte leider nicht hervorging, war die Gegend, die uns dort erwartete. Ich wohne ja nun seit geraumer Zeit im Ruhrgebiet und habe schon so einiges gesehen - aber Sonntag war ich froh, dass wir unsere Tour im Hellen gestartet hatten.



Die Tour war äußerst abwechslungsreich. Neben dem Ghetto entdeckten wir hübsche kleine Häuschen im mediterranen Stil, ein Haus fast ohne Fenster und den wohl kleinsten Kreisverkehr der Welt.






Am Ende der Wanderung standen 20 Kilometer auf dem Forerunner, also etwas mehr als eine Runde um den Block. Unser Start in die Wander- und Walking-Saison war insgesamt sehr vielversprechend und hat einen Riesenspaß gemacht. Ich freue mich schon riesig auf die gemeinsame(n) Tour(en) am nächsten Wochenende.


Da ich jetzt wieder ungefähr weiß, wie ich mich mitels der eigenen Füße fortbewege, habe ich gestern und heute noch jeweils 10 Kilometer drangehängt, so dass für die letzten 4 Tage insgesamt 70 Kilometer auf dem Fleißkärtchen stehen. Leider war die heutige Tour nicht unbedingt von strahlendem Sonnenschein untermalt - war ja schließlich wieder in Gladbeck.


Die nächsten zwei Tage ist erstmal Walkingpause angesagt - in den nächsten Wochen gibts hoffentlich weiterhin viel Erfreuliches zu berichten, gerne auch wieder mit Fotos, auf denen viel blauer Himmel zu sehen ist.

Mittwoch, 2. Januar 2008

2007: Blick zurück - Blick nach vorn

Als ich im August 2004 meine Diät beendet und mein Wunschgewicht erreicht hatte, dachte ich in der ersten Euphorie, dass ich alles erreicht hätte, was ich erreichen wollte. Ausgedehnte Walks und die erfolgreiche Teilnahme an Sportveranstaltungen verstärkten diesen Eindruck. Dass ich mich über alle positiven Entwicklungen in meinem Leben alleine freuen musste, störte mich zunächst nicht. Ich hielt mich für einen bindungsunfähigen Egozentriker, der sehr gut alleine klar kommt. Erhebliche Zweifel an dieser Theorie bekam ich ausgerechnet zum Jahreswechsel 2006/2007, den ich alleine in Berlin "feierte". Es war schon ein äußerst seltsames Gefühl, sich auf der größten Silvesterparty Deutschlands zu befinden und sich dabei einsam zu fühlen. Dass ich gut 4 Monate später ausgerechnet in dieser Stadt die Frau treffen würde, mit der ich mein Leben verbringen möchte, konnte ich nicht ahnen. Wenn ich jetzt zurückblicke auf die Ereignisse des Jahres 2007 und auf die vielen schönen Stunden mit Eddi, weiß ich, warum das Leben lebenswert ist. 2007 war richtig grandios und ich freue mich auf die Zukunft wie nie zuvor.

Um das Jahr stilecht zu verabschieden, hatten sich Eddi und ich beim Silvesterlauf Werl - Soest (15 Kilometer) angemeldet. Da die Walker deutlich vor dem Läuferfeld auf die Strecke geschickt wurden, mussten wir bereits früh nach Werl aufbrechen - hatte allerdings den Vorteil, dass wir ohne Probleme noch einen gebührenfreien Parkplatz 50 Meter vom Start entfernt bekamen. Startunterlagen geholt, Kleiderbeutel mit vielen warmen Sachen für den Transport nach Soest abgegeben, noch ein Häppchen kostenloses Gemüse gefuttert und dann konnten wir in aller Ruhe Wettkampfatmosphäre bei den Kinderläufen und dem Skater-Start schnuppern.
Kurz nach zwölf wurde das Walkerfeld auf die Strecke geschickt. Eddi und ich hielten uns zunächst im vorderen Mittelfeld auf. Ich registrierte, dass die Spitze des Walkerfeldes offenbar kein mörderisches Tempo anschlug und in mir wuchs die Lust, mal zu schauen, was ohne viel Training noch so geht. So versuchte ich, nach 2 Kilometern mal den Turbo einzuschalten und das Feld von hinten aufzurollen. Bis Kilometer 5 klappte alles wunderbar. Der Forerunner zeigte einen knappen 6er Schnitt pro Kilometer und ich überholte einen Walker nach dem anderen. Da es auf der Strecke munter bergauf und bergab ging, hatte ich einen guten Überblick, wie viele Walker noch so ungefähr vor mir waren und wie sich die Abstände entwickelten. Leider hatte dies nur noch statistischen Wert, da mir mein Körper stark signalisierte, dass Training doch nicht so überflüssig ist, wie ich zeitweise glauben wollte. So war ich froh, auf den letzten Kilometern noch einen 7er Schnitt halten zu können. Die Walker vor mir wurden währenddessen am Horizont immer kleiner und auch hinter mir passierte nicht viel. Um mich ein wenig aufzumuntern, nahm ich kurz vor dem Ziel das Angebot einer zuschauenden Familie wahr, doch mal eine der frisch zubereiteten köstlichen Waffeln zu genießen. Diesen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit nutzte ein Mitwalker, den ich zuvor gar nicht hinter mir wahrgenommen hatte, um mich einen Platz nach hinten durchzureichen. So beendete ich den Walk als Neunter mit einer Zeit von 1:44:31. Nach dem Zieleinlauf suchte ich schnurstraks Eddi, um die letzten Meter mit ihr zusammen zurückzulegen.

Der Silvesterlauf hat mir gezeigt, dass auch für Walker regelmäßiges Training unentbehrlich ist, damit Wettkämpfe nicht zur Tortur werden. Vor allen Dingen aber hat mir der Walk deutlich vor Augen geführt, dass ich nach den vielen Gemeinschaftswalks mit Eddi überhaupt keinen Spaß mehr daran habe, alleine zu walken. Die Jagd nach Bestzeiten war sicherlich mal reizvoll für mich - einen kurzweiligen Gemeinschaftswalk mit Eddi kann sie jedoch nicht im Entferntesten ersetzen...

Montag, 3. Dezember 2007

Frühling in Toulouse - 30.11. - 03.12.2007

Die Wintersaison hat begonnen. Draußen ist's nass und windig und die Atemwege danken es einem, wenn man mal den einen oder anderen Abend vor der Heizung verbringt. Walking-Training ist zwar grundsätzlich eine schöne Sache, aber ohne Frostbeulengefahr macht's halt mehr Spaß. Immerhin hatte ich bereits in der letzten Woche eine kleine Trainingseinheit eingestreut, indem ich vom Essener Weihnachtsmarkt nach Hause gewandert bin. 15 Kilometer sind zwar nicht die Masse, aber schon mal ein guter Anfang, um die Knochen beweglich zu halten.

Glücklicherweise begann am letzten Freitag ein weiterer Kurzurlaub in Südfrankreich, wo mich quasi paradiesische Walking-Verhältnisse erwarteten: Eddi hatte ebenfalls von Freitagmittag bis Montagmittag frei und das Thermometer zeigte deutlich mehr als 10 Grad an. Kaum hatten wir den Wochenend-Einkauf erledigt, waren wir auch schon auf der Piste. Wir erinnerten uns daran, dass es eine hervorragende Eisdiele in Blagnac gibt und wanderten die Garonne entlang gen Norden, begleitet von einem lauen Lüftchen und hell funkelnder Weihnachtsbeleuchtung. Nachdem wir die süße Belohnung für den erfolgreich absolvierten Hinweg ausgiebig genossen hatten, ging es am anderen Ufer der Garonne zurück nach Toulouse, vorbei an einem mit Weihnachtsbeleuchtung überfrachteten Kirchturm und abwechselnd blau und rot funkelnden Bäumen. So legten wir nicht nur die ersten 15 Kilometer des Wochenendes zurück, sondern wurden auch gleich intensiv auf die bevorstehende Weihnachtszeit eingestimmt.


Samstag gönnte sich das Wetter einen kleinen Ausrutscher. Neben knapp 10 Grad gab es fast den ganzen Tag feinen bis kräftigen Nieselregen. Unserer wiedergewonnenen Walking-Begeisterung tat dies jedoch keinen Abbruch. Tapfer gingen wir Richtung Bahnhof bis zum Canal du Midi und von dort aus am Kanal entlang Richtung Süden. Anfangs begleitete uns eine Hauptverkehrsstraße. Nachdem wir die Umgehungsstraße überquert hatten, wurde es aber merklich ruhiger. Hin und wieder trafen wir einen Läufer - Walker waren weit und breit nicht zu sichten. Während wir Toulouse langsam aber sicher hinter uns ließen, verwandelte sich auch der Weg, der am Kanal entlangführte - erst Asphalt, dann Schotter und schließlich durften wir ein paar unfreiwillige Skating-Versuche auf frisch angerührter Matsche absolvieren. Das Profil unserer Sohlen wurde zwar hierdurch deutlich dicker, aber auch etwas schwammig... So beschlossen wir, den nächst möglichen Schleichweg in Richtung besiedelten Gebiets zu nehmen. Dies erwies sich jedoch als keine sehr gute Idee, da uns am Ende dieses Weges ein nicht angeleinter Zähne fletschender Hund erwartete, dessen Sprache wir zwar nicht verstanden, der aber offenbar recht unerfreuliche Dinge zum Besten gab. Glücklicherweise stand Menschen verfolgen und zerfleischen nicht auf seinem Programm. So konnten wir unbehelligt weiter in Richtung Ramonville skaten. Dort angekommen, enterten wir den nächsten Supermarkt und wärmten uns ein wenig auf. Da der Regen zwischenzeitlich stärker geworden war, wählten wir für den Rückweg nach Toulouse befestigte Straßen. Nachdem wir uns abends vor der Heizung wieder hinreichend aufgewärmt hatten, rekonstruierten wir mittels Zirkel und Landkarte unsere Tour und kamen auf 19 Kilometer.

Wenn die Wanderlust zurückkehrt, kann man gar nicht mehr so schnell damit aufhören, insbesondere nicht, wenn man beim sonntäglichen Gang zur Boulangerie von der warmen südfranzösischen Herbstsonne angelacht wird. Und da Toulouse und die angrenzenden Dörfer noch jede Menge Strecken bieten, die wir noch nicht erwandert haben, führte uns der Weg nach Colomiers.

Ich hatte mich die Tage vorher schon die ganze Zeit gefragt, wo denn wohl das Viertel von Toulouse ist, in dem Randalierer in der Woche vorher Autos angezündet hatten. Auch auf diesem Weg fand ich keine Antwort auf meine Frage...


Unser Weg führte entlang der Garonne nach Norden, durch ein Industriegebiet und dann schnurstraks auf eine Hochhaussiedlung zu. Glücklicherweise gibt es in Colomiers allerdings noch deutlich schönere Ecken. So entdeckten wir am Ortsrand idyllische Neubaugebiete mit den unterschiedlichsten Baustilen, alte Kirchen und herbstliche Landschaften.


Auch die französische Straßenverkehrsplanung ist uns inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir selbst als Fußgänger die landestypischen Eigenheiten für jede sich bietende Abkürzung nutzen.


Da uns das Wetter begeisterte und wir nach dem 10-Kilometer-Hinweg guter Dinge waren, schlugen wir auf dem Rückweg ein paar zusätzliche Haken, rätselten in einem Neubaugebiet, das offenbar nach dem Druck unseres Stadtplans entstanden war, wo wir denn so her müssen und freuten uns darüber, dass wir noch bis zum späten Nachmittag in T-Shirt wandern konnten.


Als wir abends über die hell erleuchtete Uferpromenade zu Eddis Wohnung zurückwanderten, hatten wir weitere 23 Kilometer zurückgelegt. Ideen für weitere Touren in den nächsten Wochen gibt es genug - schließlich hatten wir von Colomiers aus schon mal einen kleinen Blick auf die gar nicht weit entfernten Pyrenäen erheischen können. Wenn wir dort die eine oder andere Wanderung machen, können wir ja das Auto so lange am Wegesrand parken - da passiert schon nichts mit...

Sonntag, 11. November 2007

Fast wieder richtiger Sport - Troisdorf 11.11.2007

Seit dem Berlin-Marathon Ende September hatte ich so ungefähr viermal 18 Kilometer Walking-Training gemacht, die Waage zeigte recht unerfreuliche Werte an und meine Erkältung hielt sich angesichts des leicht suboptimalen Wetters länger als erhofft. Optimaler konnten die Voraussetzungen für einen Sechs-Stundenlauf nicht sein. Da Martin offensichtlich in den letzten Tagen mit mir um die Wette geschnieft hatte, beschlossen wir, den Walk gemeinschaftlich als eine Art entspannten Spaziergang zu absolvieren.

Wir trafen uns am Samstag und durften bei Jo in Köln übernachten. Neben einem entspannten Abend mit Jo und seiner Familie gab es indisch-italienisches Carboloading mit viel scharfem Gewürz (Motto: Wir gehen ja eh nur spazieren - also was soll das Rumgehampel mit der akribischen Vorbereitung.) und eine Turnstunde vom Gymnastiklehrer mit den Gummiknochen.


Viel Schlaf ist das a und o vor einem Ultra. Also beendeten wir das abendliche Zechgelage bereits um kurz vor eins. Knapp sechs Stunden später wurde es ernst. Frei nach dem Motto "Was kann es an einem Tag gutes geben, der mit Aufstehen beginnt?" tastete ich mich mit halb geschlossenen Augen die Treppe rauf bis zur Dusche. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit viel starkem Kaffee, wusste ich wieder umgefähr, wer und wo ich war und was ich so am Sonntag vorhatte.

Die Anreise nach Troisdorf funktionierte prächtig. Wir bekamen einen Parkplatz direkt neben dem Stadion und konnten uns ohne Stress auf die kommenden Stunden einstimmen, jede Menge Foris begrüßen und ganz dezent schon mal ein bisschen warm machen.





Wer zu diesem Zeitpunkt richtig Stress hatte, waren die Zeitmesser von Mika-Timing, denen auf dem Weg zum Stadion das Auto verreckt war. Im Thread zum Sechs-Stundenlauf hieß es immer "Es darf wieder gestorben werden." Nun wusste ich endlich wer, bzw. was damit gemeint war.

Die Verzögerung hielt sich allerdings in Grenzen und gab uns die Möglichkeit, die gewonnene Viertelstunde mit der einen oder anderen Foto-Session zu füllen.


Pünktlich zum Startschuss öffnete der Himmel erstmals seine Pforten und kübelte eine kleine Erfrischung auf uns nieder, die wir eigentlich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht brauchten. Rennschnecke73 und Beso gesellten sich zu Martin und mir und liefen ein paar Ründchen neben uns her. Es gelang uns nicht, den anvisierten 8:30er Schnitt zu walken, da ein kleines Stückchen übrig gebliebener Restmotivation dies verhinderte. So waren wir pro Kilometer ungefähr ein Minütchen schneller. Wir waren frisch und guten Mutes und konnten uns nett mit den Mitläufern unterhalten. So verging eine 2,5-Kilometer-Runde nach der anderen. Was uns in jeder Runde ein wenig bremste, war ein ca. 500 Meter langes Stück über einen ehemaligen Trampelpfad, der durch den Regen inzwischen dezente Ähnlichkeit mit einer Schlammkuhle hatte.


Nach einem guten Stündchen war Martin und mir mal nach einer kleinen Laufeinlage, um unseren neuen Freund laufjoe ein wenig zu begleiten. Laufjoe hatte sich in den letzten Tagen im Forum dezent negativ über Walker geäußert und es gab noch geringen Klärungsbedarf.
Da ich wusste, dass mein Trainingszustand nicht der beste war, walkte ich danach ein wenig schneller, um zum Ende der sechs Stunden einen kleinen Zeitpuffer zu haben. Martin hielt konstant die bisherige Geschwindigkeit. Das Wetter blieb gewöhnungsbedürftig. Kurzen Abschnitten mit Sonnenschein folgte wieder Pladderregen mit heftigen Windböen. Was mental aufbaute, war die Musikbeschallung aus dem Stadion, die auf großen Teilen der Strecke zu hören war. Jeder hatte sich vor der Veranstaltung einen Musiktitel wünschen dürfen - so kam eine äußerst bunte Mischung zustande.
Nach 30 Kilometern merkte ich, wie die Kondition langsam nachließ. Martin schloss zu mir auf , und ich versuchte, ihm zu folgen. Das war zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr so einfach. Als er dann Margitta traf und mit ihr noch eine kleine Laufeinlage einbaute, beschloss ich endgültig, nicht mehr dranzubleiben und den Rest des Weges in einem ansehnlichen Tempo zurückzulegen.
Zwischenzeitlich hatte ich innerlich den Rechenschieber ausgepackt. Er sagte mir, dass ich bei einem konstanten 8er Schnitt ziemlich genau 19 Runden absolvieren könnte. Das hatte den Vorteil, dass ich direkt im Stadion den Lauf nach der 19. Runde beenden könnte und nicht ellenlang in der Kälte rumstehen müsste, bis meine Restmeter ausgemessen waren. Ich war leicht schneller als angepeilt. So konnte ich noch mal in aller Seelenruhe vor Überqueren der Ziellinie an der Verpflegungsstation ein bisschen was trinken, ein Stückchen Schoki futtern und dann in aller Seelenruhe zur Zeitmessmatte spazieren.
Da ich die letzten Runden mit gebremster Energie absolviert hatte, war ich nicht übermäßig kaputt. Allein eine mittelprächtige Blase zierte meine linke Hacke. So wurde meine Umziehaktion am Auto zu einer etwas längeren Angelegenheit, da ich das Chirurgenbesteck zur schonenden Entfernung der Schuhe nicht griffbereit hatte.
Der Sechs-Stundenlauf hat mir trotz des miserablen Wetters äußerst gut gefallen. Obwohl ich auf der 2,5-Kilometer-Runde das eine oder andere Déjà-vu hatte, wurde es nie langweilig, da ich stets gut gelaunte Foris traf, die mich für einen kurzen Moment vergessen ließen, dass der eine oder andere Muskel sich nicht mehr in dem Zustand befand, in dem er morgens noch war. Da ich mit Normalgewicht bei vollem Trainingsumfang wahrscheinlich auch nicht mehr als 50 Kilometer hätte absolvieren können, bin ich mit 47,5 Kilometern hochzufrieden. In dieser Woche stehen maximal zwei kürzere entspannte Walks auf dem Programm - und was viel wichtiger ist: Freitag werde ich Eddi wiedersehen ;-)

Montag, 5. November 2007

Walken kann ja so einfach sein

Ein weiteres kurzweiliges Wochenende mit Eddi liegt hinter mir. Leider konnten wir unsere Pläne zum Wiedereinstieg ins Walkerlager nicht an mehreren Tagen in die Tat umsetzen, da das Herbstwetter nicht zu übermäßigen Aktivitäten einlud. So blieb es bei einer entspannten 17-Kilometer-Samstagnachmittagswanderung um den Baldeneysee in Essen.



Nach zwanzig Tagen Antibiotika-Behandlung und einer Woche Virusinfektion plante ich heute einen etwas längeren und zügigeren Walk. Ich erinnerte mich, dass mich meine ersten Walking-Schritte anno 2003 in die Nachbarstadt Bottrop geführt hatten. Innerlich fühlte ich mich so, als sei mein Trainingszustand ungefähr wieder so wie damals und so beschloss ich, wieder dorthin zu walken - dieses Mal allerdings hin und zurück und mit ein paar Schlenkern.
Der Walk lief ganz hervorragend. Ein Schnitt von knapp 7:30 Minuten/Kilometer war problemlos machbar. Am Ende standen 18,13 Kilometer bei einer Zeit von 2:14:32 Std. auf dem Forerunner. Übermäßig erschöpft war ich auch nicht. Allein das Kratzen im Hals ist wieder ein wenig deutlicher spürbar. Vielleicht mache ich noch eine kleine Trainingseinheit diese Woche und lasse mich dann am nächsten Wochenende in Troisdorf überraschen, was beim 6-Stunden-Lauf so geht. Meine Bestmarke aus Rotenburg 2006 werde ich dort ohnehin nicht erreichen; ein Marathönchen wär schon ganz schön, ist aber keine Pflicht.